Einmal selbst Abgeordneter sein - Demokratie lebendig erlebt

Einmal selbst Abgeordneter sein - Demokratie lebendig erlebt Erstellt von Dr. Sigird Mahsberg, Monika Schmidmeier |

Gemeinsames Seminar von Stadt Würzburg und Kolping-Akademie verbunden mit einer Einladung des bayerischen Landtags nach München vermittelt Zuwanderern auf unterhaltsame Weise Kenntnisse über das politische System in Bayern.

Ein zweistufiges „Erfahrungsseminar“ der besonderen Art fand auf Initiative von Dr. Sigrid Mahsberg, Integrationsbeauftragte an der Kolping Akademie, und Zeynep Sen, Bildungskoordinatorin der Stadt Würzburg, am 2. / 3. Mai statt. 34 Zuwanderer und Multiplikatoren folgten der Einladung von Kolping Akademie und Sozialreferat der Stadt Würzburg, um den politischen Alltag in Bayern kennenzulernen. Dem Besuch im bayerischen Landtag in München schloss sich am nächsten Tag eine aufschlussreiche Gesprächsrunde mit dem Landtagsabgeordneten und Stadtrat Patrick Friedl (Grüne) an, der sich in der Kolping Akademie den Fragen der Seminarteilnehmer stellte und von seiner praktischen politischen Arbeit berichtete.

Schon auf der Fahrt nach München wurden als „Rolling Workshop“ alle wichtigen Informationen zu föderalistischen Struktur der Bundesrepublik und dem politischen Aufbau des Freistaats Bayern gegeben. Dabei konnten auch die Begrifflichkeiten zur Beschreibung der politischen Arbeit wie z.B. Fraktion, Koalition, Ausschuss, Plenarsitzung, Abgeordneter etc. soweit geklärt werden, dass alle Teilnehmer der Führung durch das Maximilianeum problemlos folgen konnten. Die Führung begann mit dem Aufstieg über die große Treppe ins obere Foyer, durch die Sitzungsräume, den Lesesaal und die Lobby und erläuterte sowohl den geschichtlichen Hintergrund, die Grundsteinlegung durch König Maximilian, Inhalte und Entstehung der riesigen Gemälde an den Wänden der Räume als auch die aktuelle Zusammensetzung des Landtags, die hier vertretenen Parteien und die Arbeit der Abgeordneten. Höhepunkt war es dann, auf den Sitzen der Abgeordneten im Plenarsaal Platz zu nehmen und sich auch einmal an das Rednerpult zu stellen oder den Sessel der eines Ministers oder der Landtagspräsidentin einzunehmen. Erstaunt hat die Besucher vor allem die Tatsache, dass auch während der Sitzungen Publikum zugelassen ist und über die Zuschauer und die Medien die Öffentlichkeit immer präsent sein kann. So werden auch im Internet alle Sitzungen live übertragen.

Das Mittagessen in der Kantine auf Einladung des Landtags war ein weiterer Höhepunkt des Tages. Am Nachmittag war noch etwas Zeit für einen kleinen geführten Rundgang durch das Stadtzentrum mit den wichtigsten „Postkartenmotiven“ von Marienplatz, Viktualienmarkt und Hofbräuhaus. Die Rückfahrt im Reisebus bot Gelegenheit zur Diskussion und zu einer ersten Auswertung der gesammelten Eindrücke. Dabei wurden Fragen für das Treffen mit Patrick Friedl (Grüne) vorbereitet.

Am nächsten Tag wurde der Landtagsabgeordnete und Würzburger Stadtrat schon von Seminarteilnehmern an der Tür der Kolping Akademie erwartet. Das Erstaunen war groß, dass er nicht mit einer eskortieren Limousine vorfuhr, sondern allein mit dem Fahrrad kam. Das sei für Politiker in den Herkunftsländern undenkbar, berichteten einige Teilnehmer. In ungezwungener Atmosphäre verlief dann auch der zweite Teil des Erfahrungsseminars. Teilnehmer verschiedenster Nationalitäten stellten ihre teils sehr konkreten Fragen, wie z.B. das Problem, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Sie wollten aber auch wissen, was er bzw. seine Partei als Erstes machen würden, wenn sie an die Regierung kämen, wieso „so viel Gift auf die Felder“ komme, obwohl es doch Bienen und anderen Insekten schade, oder wie der Konflikt zwischen Wohnraum für die Menschen einerseits und Flächen- und Naturzerstörung andererseits zu lösen sei. Dabei zeigten einige Teilnehmer, dass sie sich über ihre Umgebung in Deutschland und auch über die Umwelt schon viele Gedanken gemacht hatten, die sie gerne mit dem Politiker austauschten.

Gegenseitige Fragen ergaben ein lebhaftes zweistündiges Gespräch, das mit dem Aufruf des Würzburger Abgeordneten endete, sich auch als Ausländer und Neubürger am politischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt zu beteiligen. Damit war das Ziel des Seminars „Demokratie (er)leben“ für alle Beteiligten erfüllt.

 

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